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(Fast) alles, was Sie über die Alpenfahrt Classic Rallye wissen sollten

Was passiert eigentlich bei einer Classic Rallye wie der Alpenfahrt?

Da kommen 85 historisch wertvolle Autos in Bad Kleinkirchheim zusammen, werden mit Nummern und Rallyetafeln geschmückt und die Teilnehmerteams eilen geschäftig mit dicken Papiermappen umher. Was wartet auf die Teilnehmer der Alpenfahrt Classic Rallye in den drei Tagen bis sie am Samstag wieder zurückkehren und am Abend mit mehr oder weniger Pokalen, Applaus und Zufriedenheit zur “Nacht der Sieger” zusammenkommen?

Classic Rallyes sind die zeitgemäße Fortführung des Rallyesports, den es es seit den 1910er-Jahren gibt. Die Ziele sind ziemlich gleich geblieben – im sportlichen Wettkampf sollen die Besten die ausgeschriebenen Preise gewinnen – die technischen Rahmenbedingungen haben sich der Zeit angepaßt, die Wettbewerbskriterien der Vergangenheit können heute nicht mehr sinnvoll angewendet werden. Dafür gibt es andere, die wir nun vorstellen wollen.

Wir stellen Ihnen die Begriffe – das Fach-Chinesisch des Oldtimer-Sports – in bunter, nicht ganz zufälliger Ordnung vor und hoffen, dass Sie dann Ihre Fragen an Teilnehmer und Veranstalter mit neugewonnener Sachkenntnis stellen können.

Oldtimer

Historische Kraftfahrzeuge, mindestens 30 Jahre alt, in verkehrstauglichem Zustand, meist liebevoll restauriert und gepflegt, werden nach Baujahr in Gruppen eingeteilt, von Oldtimer-Verbänden registriert. Hauptkriterium ist der originalgetreue Zustand, Zusatzausstattungen aus der Entstehungszeit sind zulässig.

Für die Alpenfahrt Classic Rallye zugelassenene Oldtimer: Fahrzeuge bis Baujahr 1984.

Rallye

Der aus dem Französischen stammende Begriff für Sammeln, Zusammentreffen – ist die Bezeichnung für einen automobilsportlichen Bewerb, bei dem die Teilnehmer die vom Veranstalter vorgegeben Fahrtstrecke in vorgegebener Zeit mit zusätzlichen Prüfungen bewältigen sollen.

Veranstalter

Eine Gruppe von Enthusiasten, die eine Rallye ausschreiben, organisieren, durchführen und hoffen, damit vielen Oldtimerbesitzern Freude am Fahren mit ihren Fahrzeugen zu verschaffen.

Ausschreibung, Reglement, Durchführungsbestimmungen

Grundlagen für die ordnungsgemäße Durchführung der Veranstaltung – hier steht alles, was notwendig ist – kann bei Bedarf für oder gegen Veranstalter und Teilnehmer verwendet werden!
Geschwindigkeit – früher Kriterium für die Erstellung eines Klassements einer Rallye (Prüfungen auf schnellste gefahrene Zeit), ist heute nicht mehr sinnvoll und zulässig.

Gleichmäßigkeit

Kriterium der modernen Classic Rallye. Die Fahrzeuge haben Strecken mit vorgeschriebenen Durchschnittsgeschwindigkeiten zu befahren, die Einhaltung dieser Durchschnittsgeschwindigkeiten überwacht der Veranstalter durch verschiedene Messungen auf der Strecke. Die Messstellen können den Teilnehmern bekannt oder unbekannt sein, er versucht die Messstelle auf 1/100 sec genau zu passieren, weil die Abweichung von der Sollzeit des Veranstalters als Kriterium für die Erstellung des Klassements herangezogen wird.

FahrerIn / BeifahrerIn

Sie bilden das Team, jede(r) hat intern festgelegte Aufgaben während der Rallye, Wechsel ist möglich aber nur bedingt sinnvoll.

Roadbook

Unentbehrliches Dokument für die Teilnehmer, mit Hilfe dessen sie die vorgeschriebene Strecke richtig fahren, die Aufgaben des Veranstalters eindeutig verstehen und die individuellen Zeiten und Regeln nachlesen können. Die grafische Darstellung aller Abzweigungen, Kontrollen, Streckenhinweise führt die Teilnehmer von Kontrolle zu Kontrolle. Alle Abzweigungen, Orte und maßgebenden Orientierungspunkte sind mit exakter Entfernungsangabe vom letzten Kontrollpunkt aufgezeichnet.

Startkarte

Wichtigstes Identifikationsmittel des Teams. Enthält neben der Startnummer alle Einträge bei Zeitnahmen und Kontrollen, darf nicht verloren gehen, ist u.a. die Grundlage für die Ergebniserstellung und Platzierung des Teams.

Etappe

Fahrstrecke zwischen zwei Kontrollpunkten (Orten, die Roadbook beschrieben sind), die in einer vorgegebenen Zeit (Stunden : Minuten) mit maximal 50 km/h Durchschnitt zurückzulegen ist.

Zeitkontrolle

Die vom Veranstalter vorgeschrieben, im Roadbook genau dargestellte, Fahrtstrecke ist in vorgegeben Zeiten zu befahren. Dieser Zeitplan wird durch Zeitkontrollen überwacht, der Teilnehmer hat auf die Minute genau die nächste Zeitkontrolle laut Roadbook und Startkarte zu erreichen. Dort erwartet ihn ein Zeitnehmer. Startzeit bei der Abfahrt (z.B. 8:15 Uhr in Bad Kleinkirchheim) plus vorgeschriebene Fahrtzeit (z.B. 1:30 Stunden) ergeben eine Ankunftszeit 9:45 Uhr. Zu dieser Minute reicht der/die BeifahrerIn die Startkarte dem Zeitnehmer zum Eintragen der Ankunftszeit. Ab dieser Minute läuft die nächste Etappe mit der vorgegeben Fahrtzeit laut Startkarte. Zu frühes oder verspätetes Einfahren in eine Zeitkontrolle wird mit Strafpunkten bestraft.

Passierkontrollen

Viele Wege führen nach Rom, aber der Veranstalter will, dass die Teilnehmer nur eine bestimmte Strecke fahren. Das überwacht er mit Hilfe von Passierkontrollen, wo ein Funktionär die Durchfahrt des Teams auf der Startkarte im vorgesehenen Feld bestätigt. Das Fehlen des Kontrollstempels wird mit Strafpunkten bestraft.

Geheime Passierkontrollen

Wenn der schlaue Teilnehmer meint, von der vorgeschriebenen Strecke abweichen zu können, weil laut Roadbook keine Passierkontrolle vorgesehen ist, dann muß er mit geheimen Passierkontrollen rechnen. Fehlt ihm dann der Kontrollstempel solch einer Kontrolle, gibt es abermals Punkte.

Sonderprüfungen

Das Erreichen der Zeitkontrollen zur richtigen Zeit und das richtige Befahren der Strecke (alle Passierkontrollen passiert) allein können höchstwahrscheinlich keine Selektion der Teilnehmer für ein Klassement sein. Prüfungen, bei denen die Gleichmäßigkeit innerhalb einer vorgegebenen Strecke überwacht wird, werden als Sonderprüfungen bezeichnet. Veranstalter brüten laufend neue Formen der Anforderung “Gleichmäßigkeit” aus – und die Teilnehmer bewältigen diese mit unvorstellbarer Präzision. Voraussetzung hiefür ist das exakte Befahren der Strecke ohne Kurvenschneiden und Räderdurchdrehen – für Veranstalter bei Erstellung der Anforderung („Kilometrieren“) und für Teilnehmer bei der Rallye.

Referenzstrecke

Zur Einhaltung der vorgegebenen Durchschnittsgeschwindigkeiten setzen die Teams Wegzählgeräte ein, welche die zurückgelegte Strecke auf 10 m genau anzeigen. Der Veranstalter nennt eine (Referenz)Strecke, bei der die Teilnehmer die Einstellung ihrer Wegmeßgeräte im Verhältnis zur Wegmessung des Veranstalters überprüfen bzw. korrigieren können.

Wegmessgeräte

Das unentbehrliche Hilfsmittel für die Positionierung unterwegs. Das Roadbook führt alle Angaben mit exakter Entfernungsangabe von der letzten Zeitkontrolle, der Teilnehmer kann sich durch Vergleich mit seiner Anzeige richtig orientieren. Es gibt verschiedene Formen von Wegmessgeräten, für Classic Rallyes in Österreich sind nur mechanisch angetriebene Geräte zugelassen, moderne Elektronik in jeder Form widerspricht nicht nur dem Reglement sondern auch den sportlichen Grundsätzen.

Schnitttabellen

Hilfsmittel für die Feststellung der Abweichung vom “rechten” Schnitt: die Sollzeit für die zu fahrende Wegstrecke in bestimmter Unterteilung (z.B. in 200m-Schritten aus einer vorgedruckten Tabelle) wird der gefahrenen Strecke in der Istzeit gegenübergestellt – die Abweichung teilt der BeifahrerIn dem FahrerIn mit. Damit überwacht das Team die Einhaltung des Schnittes – schneller oder langsamer, dass die Abweichung gegen Null tendiert.

Sollten Sie jetzt verwirrt sein, dann haben wir zuviel auf einmal erklärt, Sie sollen ja nicht gleich an der Spitze mitfahren wollen, das würde die Profis beschämen. Die Begriffe sind Standard-Vokabular, die Feinheiten hinter den einzelnen Beschreibungen sind Erfahrungen – die Geheimnisse werden Ihnen die Profis nicht freiwillig preisgeben, da müssen Sie schon als BeifahrerIn beginnen. Es gibt einschlägige Literatur und Kurse zum Schnuppern und Erlernen der “Geheimnisse” des Gleichmäßigkeitssports.